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Der erste Fischereiverein in der Stadt
Bern waren die Stadtfischer. Der Verein wurde 1882 gegründet. Im Jahr
1900 wurden die Sportfischer aus der Taufe gehoben. Die Netzfischerei in
den von den Sportfischern gepachteten Gewässern gab den Anlass zur
Gründung unseres heutigen Vereins.
Im Mai 1909 kam es zur Abspaltung und zum Entschluss der damaligen
Abtrünnigen, den Sportfischern den Rücken zuzukehren.
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Vorbericht
Da im Sportfischerverein Bern Widerwärtigkeiten entstanden betr.
Neztfahren und anderen gegen die Statuten verstossenden
Vorkommnissen, habe eine Anzahl Mitglieder des oben genannten
Vereins den Austritt erklärt und wurden diese zu einer
Zusammenkunft eingeladen und es wurde ihnen folgendes Schreiben
zugesandt:
Bern, den 13. Mai 1909
Werter Kollege!
Sie werden hiermit freundlichst eingeladen zu einer gemeinsamen
Besprechung betr. die letzten Vorgänge im Fischerverein. Da
diese Zusammenkunft unbedingt nötig ist, so hoffen wir auf Ihr
Erscheinen, und zwar auf Donnerstag, abends 8 h Saal Grünegg.
Indessen grüsst Sie mit vollkommener Hochachtung
sig. Ph. Häller |
Im August 1909 wurde im Restaurant Anker
in Bern der Angelfischer Verein Bern aus der Taufe gehoben. In den
Statuten, welche von der Monatsversammlung in der "Grünegg" einen Monat
später genehmigt wurde, heisst es im Zweckartikel:
1. der Verein macht sich folgendes zur Pflicht:
1) Bekämpfung der Raubfischerei;
2) Verfolgung des Fischfrevels und verbotener Fangarten;
3) Beobachtung von Wasserbauten hinsichtlich deren Einfluss auf die
Fischerei;
4) Abhilfe der Missstände durch einheitliches Vorgehen in Verbindung mit
andern interessierten Fischereivereinen;
5) Einsetzen von Jungfischen, Pacht von Fischenzen, sowie andern
geeigneten Mittel;
6) Beaufsichtigung einer strengen Handhabung der Verordnung zum
Bundesgesetz;
7) Unterstützung der Bestrebungen des Staates zur Vermehrung des
Fischbestandes;
8) Gewissenhafte Innenhaltung der Durchführung der durch den Staat
festgesetzten Bestimmungen über Schonzeit;
Ebenso macht sich der Verein zur Pflicht, möglichst jede Netzfischerei
zu bekämpfen.

Kornhausplatz mit dem Restaurant Anker
Nach langer Diskussion entschloss man
sich zum heutigen Namen, nachdem bei der Namensuche lange die Benennung
Angelfischerverein Bernensis zur Diskussion gestanden hatte. Die
Sportfischerrippe, losgelöst wegen unvernünftiger Netzfischerei, gedieh
prächtig. Ende 1909 betrug der Mitgliederbestand schon ein halbes
Hundert und erreichte das ganze bereits ein Jahr später. 1920 wurde ein
Etat von 246 Fischerfreunden ausgewiesen. Später allerdings war das
Vereinsinteresse wieder geringer, der Bestand schmolz auf 150 Mitglieder
zurück.
Bereits 1914 waren die Angelfischer beim Schweizerischen und Kantonal
Fischereiverein angeschlossen. Gemeinsam mit den Sport- und
Stadtfischern waren die Angelfischer Fischenzenbesitzer der Aarestrecke
Neubrücke bis Wohlenbrücke, was total Fr. 225.- jährlich kostete. Für
diese Zeit war eine solche Pachtsumme ein stolzer Betrag, denn der
Mitgliederbeitrag belief sich auf Fr.4.-, vierteljährlich zu Fr.1.-
einkassiert. Für diese ihre Mitgliedschaft waren unsere Angelfischer
bereit, nahezu einen ganzen Taglohn hinzulegen.
Obschon der Gesundheitszustand der damaligen Gewässer noch besser als
heute war und es gemessen an unserer Zeit noch Fische in sagenhafter
Menge gab, hatten unsere Fischerahnen mit ihrer Fischwaid auch ihre
Sorgen. Es gab Fischfrevler, die mit Karbid und Sprengstoff ihr dunkles
Handwerk ausübten. Freiwillige Fischereiaufseher gingen damals sogar
nachts auf Patrouille und erhielten für Frevleranzeigen Prämien. Die
Polizei kümmerte sich dieser Zeit noch kaum darum, ob die
Fischereivorschriften eingehalten würden.
Die Stadtfischer und die Sportfischer hatten ab 1919 die Aare oberhalb
Bern gepachtet. So waren die Angelfischer ab diesem Jahr bis 1925
Alleinpächter der Aare vom Felsenauaufstau bis zur Tiefenaubrücke und
vom Feisaukraftwerk bis zur Wohleibrücke. Mit dem Aarestau und der
Schaffung des Wohlensees 1922 ging diese Strecke verloren.
Grosse Sorgen und Aufregung gab es zu Recht im Winter 1924/25 bei der
gänzlichen Trockenlegung beim Schleusenwerk Engehalde. Der uns heute
bekannte Kampf zwischen Wassernutzung zur Stromgewinnung und unseren
fischereilichen Anliegen gab es also bereits schon zu dieser guten alten
Zeit. Dank Fotos des Angelfischervereins konnten die
Entschädigungsforderungen gegen das EW durchgesetzt werden und eine
bescheidene Minimalwassermenge für die Zukunft fixiert werden. Dies war
ein echtes Novum.
Nicht zuletzt war die Gründung der
"Vereinigten Fischereivereine der Stadt Bern" - eine Vorgängerin der
heutigen Pacht-Vereinigung Bern u. Umgebung - eine letztlich doch
positive Folge dieses Trockenlegungs-Fischsterbens. Diese
Dachorganisation der stadtbernischen Fischereivereine begründete damit
ihre Prozesslegitimation in Schadenereignis rund um die Fischerei. Von
diesem Zeitpunkt an schlossen die „Vereinigten Fischereivereine der
Stadt Bern" mit dem Staate Bern die Pachtverträge ab.
Kleinere Pachtgewässer, wie unser heutiges Egelmöösli, sicherten sich
unsere Angelfischervorfahren auch weiterhin. 1918 und 1919 pachtete man
von einem Privaten den Gümligenweiher in der Absicht der Karpfenaufzucht
und Fischerei. Von 1919 bis zum Jahre 1928 war der Elfenauweiher Enze
des AFV Bern. Auch ein Teil der Gürbe war in unserer Pacht.
1926 setzte eine harte Diskussion um ein bernisches Fischereigesetz dem
Verein arg zu. Es kam zu massiven Austritten, diesmal musste der Verein
eine Rippe hergeben und aus dieser entstand der Fischerclub 27. Alles
ging schief, auch das Gesetz wurde vom Berner Souverän verworfen.
In der Volksabstimmung vom 14. Oktober 1934 wurde dieses Fischereigesetz
dann deutlich angenommen und ersetze damit das alte aus dem Jahr 1853
stammende kantonale Fischereirecht. Dieser Durchbruch - es war vor allem
das Verbot der Netzfischerei für die Fliessgewässer - war für die
Angelfischer Anlass, den Durchbruch mit einem Freibier-Abend im
Restaurant Anker zu feiern.
Mit diesem Ereignis war aber nur die Sorge um die Betreibung der
Netzfischerei vom Tisch. Mitte der 30er Jahre wurde deutlich sichtbar,
wie negativ sich das Wachsen der Stadt, die moderne Industrialisierung,
die Mentalität der Stadtmenschen auf den Zustand der Fischgewässer
auszuwirken begann. Gewässerverschmutzungen und Vergiftungen mussten
vermehrt zur Kenntnis genommen werden. Die Kloake im Wylerwald
vergiftete unter mehreren Malen die dortigen Fischgründe auf das
Schwerste. Erst 1948 konnte vor Bundesgericht in Lausanne der Prozess
gegen die Stadt Bern zu Ende geführt werden. Die Stadt Bern als
Werkinhaberin musste Entschädigung leisten. Mit diesem Geld wurde die
noch heute bestehende und wirkende Stiftung zur Förderung des
Edelfischbestandes in der Berneraare ins Leben gerufen.
Die Kriegsjahre 1939-1945 waren für den Verein nicht unbedingt
gedeihliche Zeiten. Man zerstritt sich wieder einmal wegen geringfügiger
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Pacht-Vereinigung und gab 1939
den Austritt aus der Dachorganisation. Damit ging man an der
Mitgliedschaft des Bernisch Kantonalen Fischereiverbandes verlustig. Im
Jahresbericht 1943 stellt der Präsident mit Bedauern fest, dass der
Mitgliederbestand auf unter 150 abgesackt war; im Gegensatz zu dieser
Bewegung hatte er 1914/18 von 160 auf über 300 Mitgliedern zugenommen.

Wettfischen der Frauen am Egelsee

Wettfischen 1945
1948 war diese
Flaute glücklicherweise überwunden, der Angelfischerverein war wieder in
den fischereilichen Dachverbänden 1959 feierten wir dann im Bürgerhaus
unseren 50.Geburtstag in einer schlichten würdigen Feier ohne jeden
grossen Pomp.
Ende der 50er Jahre wurden Kraftwerkprojekte bei Thun, dem Doubs, an der
Saane bei Laupen, an der Aare unterhalb Aarberg, aber auch im Kandertal
bekannt. Diese dadurch heraufbeschworenen Diskussionen, insbesondere
dann das 1961 bekannt gewordene Stauprojekt der BKW bei Kiesen,
veranlasste den Angelfischer Verein Bern, mit einem hochpolitischen
Antrag an den Bernisch Kantonalen Fischereiverband zu gelangen. Die
Wasserkraft-Initiative der Bernischen Fischer wurde beschlossen, diese
mit dem Ziel dem bernischen Regierungsrat die
Wasserkraftkonzessionserteilung wegzunehmen. Diese Kompetenz sollte dem
Volke anvertraut werden. Die Initiative ergab ein machtvolles Resultat
von 39322 Unterzeichnern. Nach harten politischen Auseinandersetzungen
im Bernischen Grossen Rat kam es zu einem Kompromiss; nach dem Willen
der 200 wurde der grosse Rat Konzessionsbehörde, allerdings mit dem
Referendumsrecht des Volkes. Auch das schien ein Resultat zu werden. Mit
dem Slogan "Wasser ist Allgemeingut und gehört dem ganzen Volke" zogen
wir in den Abstimmungskampf und drangen mit unserem Anliegen vor dem
Souverän 1965 deutlich durch.
Ein fröhliches Bärenpfeffer-Vorstandsessen mit den Jurassiern in
St.Ursanne, - sie hatten am meisten Unterschriften gesammelt, wurde
dieser Polit-Sieg diesmal gefeiert. Auch das Vereinsfischen 1966 am
Doubs in Soubey stand ganz im Zeichen dieser vom Angelfischerverein
ausgegangenen Initiative.
Und wie immer auf dieser Welt, nach diesem Erfolg war noch nicht aller
Tage Abend! Es folgte im gleichen Jahr das grosse Fischsterben an der
Saane durch unsachgemässes Absenken des Schiffenensee-Aufstaus. 1967
erreichte uns die Hiobsbotschaft einer totalen Gürbevergiftung unterhalb
Belp durch Kupfersalze.
Die Wasserstandsschwankungen an der Saane beunruhigten uns auch in den
kommenden Jahren und gaben dem Vorstand, der Pacht-Vereinigung und dem
Kantonalverband keine Verschnaufpause.
Die Angelfischer liessen sich nicht entmutigen. Getreu dem Zweckartikel
in den seit 1909 sechs Mal revidierten Statuten, wo es heisst "wir
bekämpfen jegliche den Angelsport und den Fischbestand schädigende
Ursachen“ war unser Verein erneut Triebfeder zu einer diesmal voll
publikumsträchtigen Aktion. Es wurde die Aktion "Schütze Wald und
Wasser" gestartet. Am 8. November 1969 waren über 40 000 Fischer, Jäger,
Naturschützer und Schulkinder mit ihren Lehrern im Einsatz um im ganzen
Kanton Bern Seen und Flüsse, ihre Ufer und die Wälder von den traurigen
Zeugen unserer Wegwerfgesellschaft zu säubern. 10000 Tonnen Kulturunrat
war die Ausbeute dieser Aktion. Die Presse, Radio und Fernsehen haben
diesen Anlass eindrücklich gezeigt und gewürdigt.
Dem Fischeransehen tun solche Erfolgserlebnisse für einmal auch gut.
Dieses Kopf-hoch war ja auch nötig, den das Jahr 1971 brachte uns
Angelfischern und allen Berner Angelfreunden den grössten Dämpfer, die
nahezu totale Aarevergiftung am 24. Juli 1971 durch 15'000 Liter
Beizsäure, die aus eine Sickerschacht der Selve-Werke in Thun
ausgeflossen waren. Die traurige Bilanz dieser durch menschliches
Versagen ausgelösten Katastrophe wurde so richtig sichtbar, durch die 4
Tonnen eingesammelter Fischkadaver, vor allem Forellen und Fischarten
mit schwachem Schuppenkleid. Das kapitalste Vergiftungsopfer war eine 23
pfundige Forelle von 114cm Körperlänge. Aber auch von diesem K.O. Schlag
haben wir uns erholt. Wieder waren es Angelfischer die führend das
Ihrige dazu beitrugen, aus dem Niederschlag das Bestmögliche zu machen.
Bereits erwähnt ist der Laichfischfang, Aktivitäten unserer Vorgänger im
Verein, die bescheidenen Anfänge von Sömmerlingsanlagen. Das moderne
Elektrofanggerät musste in seinen Geburtsstunden auch manche gut
gemeinte konservative Kritik über sich ergehen lassen. Die Wissenschaft
und die Technik haben sich aber auch hier mit der Zeit durchgesetzt. Das
gilt auch für die Jungfischaufzucht. So haben auch die Angelfischer
diesen Weg gewählt. 1965 hat der Angelfischer Verein im Bodenacker auf
Gemeindegebiet Muri eine anfänglich bescheidene Aufzuchtanlage selber
aufgebaut. Es war ein Gemeinschaftswerk das wir uns da in Fronarbeit
erstellten. Mittels abgezweigter Lottogewinne und einer grosszügigen
Spende eines verstorbenen Ehrenmitgliedes konnte der Verein die nicht
unbeträchtlichen Aufwendungen finanzieren. Die eindrücklichen Schaufel-
und Pickeltage in den Wintermonaten vor der Fischereieröffnung werden
sicher allen damals Hilfsbereiten in bester Erinnerung sein. In den
letzten Jahren konnte die Anlage Dank unserer stets einsatzbereiten
Sömmerlingskommission zeitgemäss ausgebaut werden.

Aufzuchtanlage bei Muri
Kameradschaft
gehört zum Vereinsleben und wird bei den Angelfischern hochgehalten. So
versteht es sich, dass in diesem Abriss unseres Vereinslebens auch
unsere Geselligkeit Erwähnung findet. Die alljährlichen Vereinsfischen
mit Ausflügen in eine weitere Umgebung gehören, wie die traditionellen
Wettfischen zum Vereinprogramm. Es war doch jedesmal ein Ereignis, wenn
an der Hauptversammlung dieses Traktandum zur Diskussion steht, wenn die
Vorschläge des Vorstandes durch besprochen und Anträge aus dem Kreise
der Versammlung abgewogen werden. Wer erinnert sich nicht gerne an
St,Ursanne, Soubes, Tariclno, den Gelmer- und Engstlensee, an die
Wochenenden an der Saane an Erlach und die Broye u.a.m., dann auch an
die in den letzten Jahren zur Tradition gewordenen Aeschenfischen, an
den Plausch rund um den duftenden Grill.
Gewissermassen als Krönung eines jeden Jahres zählte die
Fischerweihnacht, das Weihnachtsfischen mit dem berühmten Glühwein à
discretion. Jedesmal, wenn wir rund um den einfachen geschmückten
Tannenbaum in der Runde uns versammelt, vereint das Beresinalied singen
und den verstorbenen Fischerkameraden gedenken, wird mit Bestimmtheit
auch der knorzigste Knochen an einer weichen Steile gerührt.

Waldweihnachten, Jahr nicht bekannt
Im Jahr 1984 feierte der Angelfischer Verein mit einem grossen Fest sein
75-jähriges Bestehen. Nebst den Mitgliedern und deren Begleitungen waren
verschiedene andere Gäste aus weiteren Vereinen und Behörden eingeladen. Leider machte sich
in den vergangenen Jahren ein beunruhigendes Desinteresse an der
Vereinsarbeit merkbar. Immer weniger Mitglieder besuchen die
Hauptversammlung und es fallen wegen mangelnder Beteiligung verschiedene
Anlässe aus. Dennoch gibt sich der Vorstand grosse Mühe und hofft, dass
die Durststrecke irgend einmal vorbei ist.
Am 22. August 2009 feierte der Angelfischerverein
Bern am Egelsee sein 100-jähriges Bestehen.

Festgesellschaft am Egelsee
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